Thomas Postina

Thomas Postina, Geschäftsführer von PPR, bloggt über eines der spannendsten Themen unserer Gesellschaft: das Gesundheitswesen.

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Gesundheitspolitik ist extrem spannend. Irgendwo ist jeder von uns betroffen - ob Patient, ob Krankenhausdirektor oder Arzneimittelhersteller. In unserem Agentur-Blog nimmt sich PPR-Geschäftsführer Thomas Postina diesem weiten Themenfeld an: Regelmäßig bloggt er über Personen, Organisationen, Einrichtungen, Regelungen und Prozesse des deutschen Gesundheitswesens. Mischen Sie sich ein und diskutieren Sie mit.

Praxisgebühr ja, aber anders

10 Mai 12

Thomas Postina

Beliebt war sie nie, weder bei Ärzten noch bei Patienten. Doch wer hätte gedacht, dass die Praxisgebühr acht Jahre nach ihrer Einführung noch einmal die gesundheitspolitische Diskussion derart anheizen würde. Seit Wochen streiten Opposition und Regierung sowie die Regierungsparteien CDU/CSU und FDP untereinander um die Sinnhaftigkeit dieser Zehn-Euro-Gebühr, die jeder gesetzlich krankenversicherte Erwachsene beim ersten Arztkontakt pro Quartal bezahlen muss.


Ausgelöst hatte Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr die Debatte mit seiner Absicht, die Gebühr abzuschaffen. Begründung: Angesichts der Milliarden-Überschüsse der Gesetzlichen Krankenversicherung könne man den Versicherten die direkten Zahlungen ersparen. Zudem zeige die Gebühr keinerlei Steuerungswirkung. Die Zahl der Arztbesuche habe sich nicht verringert.

Versandapotheken: Überschätzte Gefahr

10 Apr 12

Thomas Postina

Seit 2004 ist der Versandhandel mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln erlaubt. Über 20 Prozent aller Deutschen bestellen zumindest gelegentlich Medikamente im Internet. Etwa 3000 Apotheken listet das Versandhandelsregister des Deutschen Instituts für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) auf. Der Arzneiversand, das zeigen diese Fakten, ist in Deutschland etabliert. Akzeptiert freilich ist er nicht.


Gerade haben die Gegner des Arzneiversands eine Sternstunde erlebt. Mit einer überraschend deutlichen Mehrheit von 38 Stimmen unterstützte der Bundesrat Ende März einen Antrag, den Versandhandel mit rezeptpflichtigen Medikamenten wieder zu verbieten.


Die Initiative ging von Bayern aus – wieder einmal. Das Bundesland hatte schon mehrfach versucht, die Regelung rückgängig zu machen – und ist damit stets auf die Nase gefallen. Vermutlich wird es auch dieses Mal wieder so sein. Denn das Justizministerium interveniert mit verfassungsrechtlichen Bedenken: Die Freiheit der Berufsausübung werde zu stark eingeschränkt.

Wohlfeile Argumente

10 Mär 12

Thomas Postina

Hat Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr eigentlich geahnt, was er mit seiner lapidaren Aussage in der „Rheinischen Post“ anrichten würde? In einem Interview hatte er – eher beiläufig – die gesetzlichen Krankenkassen aufgefordert, ihre Versicherten in Form von Prämien an ihrer derzeit guten Finanzlage teilhaben zu lassen. Das Ergebnis war ein Aufschrei – beim GKV-Spitzenverband, der diese – im Gesetz immerhin vorgesehene Möglichkeit - brüsk ablehnte, aber auch bei Krankenhäusern, niedergelassenen Ärzten und Pharma-Industrie, die ihrerseits von den Milliardenüberschüssen der GKV profitieren wollten.


Der Ärger ist verständlich. Immerhin wurden gerade den Krankenhäusern mit dem GKV-Finanzierungsgesetz erhebliche Mittel für Investitionen entzogen. In der ambulanten Versorgung klemmt es, wie die Vertreterversammlung der KV Niedersachsen findet. Und die pharmazeutische Industrie wird seit 2010 mit einem von sechs auf 16 Prozent erhöhten Zwangsrabatt an die Kassen belastet.

Selbstkontrolle im Verborgenen

16 Feb 12

Thomas Postina

„Unser Ruf ist schlechter als das, was wir machen.“ Was wie die Klage eines altgedienten, desillusionierten Pharma-Managers klingt, ist ein Stoßseufzer von Professor Karl Lauterbach. Der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion hat ihn am 31. Januar in der Sendung „Bei Maischberger“ ausgestoßen. Und gemeint war die eigene Kaste: die der Politiker.

Was die Politiker in eigener Sache als ungerechtfertigt empfinden, veranlasst sie jedoch nicht, ihrerseits bei der Bewertung des Verhaltens Anderer vorsichtiger zu agieren. In Sachen Pharma-Industrie etwa verstärken sie gerne das Klagelied über eine Branche, die mit ethischen Produkten angeblich doch nur ein materielles Ziel verfolgt, nämlich Geld zu verdienen. Dabei müssten doch gerade Politiker aus eigener Erfahrung wissen, wie schwierig es ist, eine in der Bevölkerung einmal verfestigte Meinung durch Darstellung der Fakten zu verändern.

Eine Frage der Umsetzung

06 Jan 12

Thomas Postina

Im Jahr 2011 wurden 27 Medikamente mit neuen Wirkstoffen in den deutschen Arzneimittelmarkt eingeführt. 2010 zählte der Verband Forschender Arzneimittelhersteller (vfa) 26 solcher Innovationen.

Wie viele neuartige Arzneimittel 2012 auf den Markt kommen werden, das steht in den Sternen. Denn das neue Jahr bringt für den deutschen Arzneimittelmarkt etwas spektakulär Neues: Erstmals müssen die Arzneimittelhersteller mit dem GKV-Spitzenverband über den Erstattungspreis völlig neuer Arzneimittel verhandeln. Und nicht jedes Unternehmen kann sich mit diesem Umstand anfreunden. Novartis hat bereits einen Blutdrucksenker aus dem Markt genommen, Boehringer Ingelheim und Lilly wollen ihr gemeinsam angebotenes Antidiabetikum, das sich weiterhin in der frühen Nutzenbewertung befindet, vorerst in Deutschland nicht einführen.

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